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PresseInfo

Tänze aus der Zeit der Strapse und Hosenträger

Evangelische Gemeinde Herzogenaurach stellte dem "Boogie Woogie Tanztreff" Saal zur Verfügung.

HERZOGENAURACH. "Heute abend Boogie Woogie Party", so lautete die Parole im "Geschwister Beck Saal" der Evangelischen Gemeinde. 44 Personen füllten diesen bis zum lezten Platz. Stimmungsvoll dekoriert mit den Größen des amerikanischen Swing der 30-er und 40-er Jahre wurde an diesem Abend bis in die Mitternachtstunden dem Swing und Boogie Woogie gefrönt. Der Boogie Tanz Treff, gegründet vor anderthalb Jahren von Christa und Emil Jenne, veranstaltet zweimal im Jahr eine öffentliche Boogie Woogie Tanzparty, bei der Einsteiger in Ballatmosphäre ihre Tanzkünste erproben können, die sie bei den Volkshochschulen in und rund um Herzogenaurach gelernt haben. Dabei ist der Boogie Tanz Treff (BTT) kein Verein und auch keine Tanzschule. Er geht auf die Privatinitiative des Tanzpaares Christa und Emil Jenne zurück. Die große Leidenschaft der beiden gilt seit Jahren diesen Tänzen, die in den 30-er bis 50-er Jahren in Amerikas Musik- und Tanzwelt entstanden; in einer Zeit, als die Frauen noch Strapse unter den Kleidern und die Männer über den Hemden — in Form von Hosenträgern — trugen. Neben dem Boogie Woogie studierten die Kursteilnehmer der Volkshochschulen von Erlangen, Herzogenaurach bis Obermichelbach mit den Beiden noch andere Tänze dieser Zeit ein, wie etwa den Shim Sham und Lindy Hop. Ohne den Tanztreff gäbe es weit und breit keine Möglichkeit, diese Tänze aktiv als Hobby auszuüben. Bunt gemischt und von jüngeren bis "reiferen" Jahrgängen gut durchsetzt, stellen die Tanzbegeisterten auf dem Parkett ihr Können vor. Das Boogie Tanz Treff Team zeigte als Höhepunkt des Tanzabends dabei auch eine speziell einstudierte Show, um auch bei neuen Paaren die Begeisterung zu wecken.

Kennt Frankie persönlich "Man kann bei uns langsam und auch schnell tanzen, unser Programm ist also für Jung und alt gleichfalls geeignet", erklärte Emil Jenne, der (...) den (Mit-)Erfinder des Lindy Hop, Frankie Manning, kennen gelernt hat und diesen Tanz nun in seinen Kursen wieder lehrt. Der Erfinder des Tanzes ist mittlerweile 86 Jahre alt und tanzt diesen Modetanz der 30-er Jahre, als Charles Lindbergh den Atlantik non stopp überflog — daher der Name "Lindy-hopp" — immer noch.

Schwierigkeiten ergeben sich für die Tanz-Initiative aus der Tatsache, dass diese keinen Vereinsstatus besitzt und dadurch keinen Saal oder Turnhalle zur Verfügung gestellt bekommt. Für die Tanzpaare, die aus der Region Nürnberg, Fürth, Erlangen oder Forchheim zusammenfinden, war jedoch eine Räumlichkeit in der Nähe von Herzogenaurach erforderlich. Einen besonderen Dank richtete daher der BTT an den Hausherrn, die Evangelische Gemeinde Herzogenaurach, und speziell an Pfarrer Sieghard Schneider, der bereit war, den Geschwister Beck Saal zur Verfügung zu stellen.

Ein rauchfreier Saal war eine Grundbedingung für die Tanzbegeisterten, denn wer will schon gerne beim intensiven Tanzen in einer rauchgeschwängerten Luft sein Hobby ausüben. Gerne sind Interessierte willkommen. Sie können für zehn Euro pro Monat an den Veranstaltungen des BoogieTanz Treffs teilhaben. Drei Übungssonntage sowie ein interner Übungsabend, meistens am letzten Freitag des Monats, sind darin inbegriffen. Interessierte dürfen aber kostenlos einen Übungsabend als Schnupperabend besuchen.

"Anders als bei den Standardtänzen kann beim Boogie Woogie jeder seine Kreativität und Individualität, also viel Freestyle, einbringen. (...) Auch gibt es bei uns keinen Frauenüberschuss aufgrund der weit verbreiteten Tanzmuffligkeit der Männer, zudem ist bei unseren Treffen automatisch Damenwahl angesagt". So charakterisiert Emil Jenne seine Leidenschaft.

FotoBoogieParty23.05.2003

Bild oben: Boogie Woogie macht richtig Spaß.

HARALD BEISSER
04.12.2003
© FRÄNKISCHER TAG, HERZOGENAURACH/HÖCHSTADT