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Ballroom in der Hinteren Gasse

HERZOGENAURACH — Selten zu hörende Klänge dringen seit März ein Mal wöchentlich aus einer ehemaligen Tanzschule (...) an der Bamberger Straße nach draußen: Musik aus den Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern. Vor der Tür sind bei solchen Gelegenheiten dann Autos mit Kennzeichen aus sämtlichen Nachbar-Landkreisen geparkt.

Am Freitagabend öffneten sich die Türen auch für die Öffentlichkeit, denn da veranstaltete der seit kurzem dort logierende überregionale "Boogie-Tanz-Treff" eine der seiner zwei Mal jährlich öffentlich stattfindenden Boogie-Woogie-Partys.

Gegründet wurde der "Boogie-Tanz-Treff" vor ziemlich genau einem Jahr von dem untermembacher Ehepaar Christa und Emil Jenne. Die Intention der beiden Tanzbegeisterten war dabei, der kleinen Boogie-Woogie-Szene in der Region eine regelmäßige Möglichkeit zu geben, ihren Tanzstil zu tanzen. Denn dieser ist nicht besonders weit verbreitet, die Gelegenheiten, diesem Hobby zu frönen, für die Anhänger also äußerst rar.

Dabei geht Christa Jenne davon aus, "dass eigentlich viele den Boogie in sich drin haben, ohne es zu wissen und vor allem ohne den Zugang dazu zu besitzen". Denn in den Tanzschulen wird dieser im Allgemeinen nicht getanzt.

Also gründeten die Jennes den "Boogie-Tanz-Treff" (BTT) und der erfreut sich mittlerweile der Beliebtheit von zehn regelmäßig teilnehmenden Tanzpaaren mit Jahreskarte im Alter zwischen 40 und 50 Jahren und einem großen Einzugsgebiet, das von Oberasbach bis Adelsdorf und Vestenbergsgreuth bis Heroldsberg reicht.

In Herzogenaurach hat der "BTT" seine Zelte im März aufgeschlagen, vorher war er in Großenseebach zu Hause. Die Wahl auf Herzogenaurach fiel deshalb, weil die Stadt ziemlich zentral in der Mitte des Einzugsgebietes liegt und man dort dann auch einen idealen Raum fand (...).

Den nennen die "BTT"ler (...) liebevoll ihren "Ballroom". Bei dessen Beschreibung kommen die Tänzer aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, denn hier finden sie optimale Bedingungen vor (...).

(...)Boogie — das wird den ahnungslosen Besucher schnell gelehrt — ist für die wahren Fans mehr als "nur" ein Tanz, es ist vielmehr ein Lebensgefühl und so auch eine Lebensaufgabe.

Die Mitglieder des "BTT" treffen sich drei Mal im Monat zu einem dreistündigen "Übungs-Sonntag", an dem sie nach einer gemeinsamen Aufwärmphase sowohl ohne Anleitung frei trainieren (denn Boogie ist eigentlich ein sehr spontaner Tanz, ohne vorgegebene Schrittfolgen), als aber auch neue Figuren lernen.

Obwohl der "BTT" kein Verein mit Ämtern und Vereinsverpflichtungen ist, gibt es einige Regeln: So herrscht zum Beispiel innerhalb und außerhalb des Saales Rauchverbot und bei den internen "Boogie-Partys", die ein Mal im Monat stattfinden, gilt das Gebot der festlichen Ballkleidung.

Die Öffentlichkeit wird bei den Partys nur zwei Mal im Jahr zugelassen, wie jetzt am vergangenen Freitag. Da füllte sich der "BTT-Ballroom" auch schnell: Rund 50 Besucher waren gekommen, neben den eigentlichen Tanztreff-Teilnehmern auch Tänzer aus Vereinen sowie "befreundete Boogie-Fans". (...) Für die Dekoration und alles andere sorgte der Tanztreff.

Da der "BTT" kein Verein ist, ist sein Bestehen zeitlich auch immer nur auf ein Jahr begrenzt. Jeweils zum Jahresende werden die Teilnehmer befragt, ob Interesse an einem weiteren Jahr gemeinsamen Boogies und Lindy Hops besteht. Wenn sich dann genügend Paare bereit erklären, wird der "Boogie-Tanz-Treff" wieder für ein Jahr weitergeführt.

Getanzt wird ausdrücklich kein Standard — außer auf Wunsch mal eine Runde Foxtrott, Tango oder Walzer bei einer Boogie-Party. Doch an den Übungssonntagen wird nur das getanzt, wozu man sich eigentlich zusammengeschlossen hat: nämlich Boogie-Woogie, Lindy Hop, Shim Sham (ein amerikanischer Gruppentanz aus den 30er und 40er Jahren), Madison (wobei man Dinge wie zum Beispiel ein gackerndes Huhn imitiert), Cha-Cha-Cha in Linie, Balboa oder Neo-Swing.

Die Teilnehmer des "Boogie-Tanz-Treff" kann man übrigens auch für Auftritte engagieren. Zu diesem Zweck werden extra Tänze einstudiert, die jedoch von der "Boogie-Freiheit" geprägt sind. Die Organisatoren Christa und Emil Jenne geben dabei lediglich die Impulse, alles weitere übernehmen die Tänzer dann selbst. Denn das ist das Schöne am Boogie: Auch Anfänger entwickeln schon bald eine eigene Kreativität.

Informationen über den "Boogie-Tanz-Treff" gibt es bei Emil und Christa Jenne unter (0 91 35) 25 12 oder im Internet unter www.boogie-tanz-treff.de

FotoBoogieParty23.05.2003

Bild oben: Den Boogie im Blut haben die Tanz-Treff-Mitglieder, die im "Ballroom" (...) eine kesse Sohle aufs Parkett legen.

KATRIN MERKEL
27.5.2003
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, HERZOGENAURACH, HÖCHSTADT